Ein geschleifter Ort -

Im Rahmen des Deutschen Wandertags, der im Juni 2012 auch in unserer Region stattfand, gab es eine interessante Wanderung zu dem ehemaligen Osdorf, direkt an den Berliner Süden angrenzend.
Mit viel Engagement haben die Führer der Wanderung eine interessante Route ausgearbeitet und die Geschichte des ehemaligen Ortes Osdorf recherchiert.
Sie stellen uns ihre Ausarbeitungen nachfolgend zur Verfügung. Gerne zum Nachwandern.
Ein herzliches Dankeschön an J. Leder und H. Büren-Rieder dafür!
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Im Frühsommer 2017 wird ein kleines Heft zur Historie des geschleiften Ortes Osdorf mit alten otos und vielen Informationen zur Rieselfeldwirtchaft erscheinen --> www.Historische-Wege.de
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Eine Wanderung im ehemaligen Osdorf

An der heutigen Osdorfer Straße 1 nahe der südlichen Berliner Stadtgrenze befindet sich neben einer Gutsscheune, die einst zu der abgerissenen Ortschaft Osdorf gehörte, ein Erinnerungsstein, auf dem zu lesen ist:

Hier befand sich einst das Dorf Osdorf. Das Dorf wurde in den 60er Jahren dem DDR-Grenzbau geopfert und ab 1968 mit Ausnahme der Osdorfer Scheune komplett abgerissen.
1369 erstmals urkundlich erwähnt, wurde das märkische Bauerndorf mit seinem Gut besonders ab 1875 durch die ersten hier angelegten Rieselfelder der Berliner Stadtgüter bekannt. Heute gehört Osdorf zum Ortsteil Heinersdorf der Gemeinde Großbeeren.
Juni 2003

Im Laufe der Jahre kam eine Interessengemeinschaft ehemaliger Osdorfer Bewohner auf, die im Herbst 2002 bei der Gemeinde Großbeeren den Antrag stellten, an ihrem einstigen Heimatort einen Gedenkstein errichten zu dürfen. Schließlich willigte Großbeeren ein, kümmerte sich um die Vorbereitungen einer Gedenkfeier und ließ eine Tafel anfertigen. Den Granitgedenkstein spendierte die Firma BESO aus Heinersdorf. Am 11. Juni 2003 wurde der Gedenkstein mit einer Tafel an der Osdorfer Scheune vom Großbeerener Bürgermeister Carl Ahlgrimm und dem Ortschronisten Kurt Berg enthüllt. Dieses Denkmal gibt dem Besucher einen kurzen historischen Abriss von Osdorf, das seit dem 14. Jahrhundert urkundlich belegt und dessen grundherrschaftlichen Verhältnisse im Landbuch Karls IV. aus dem Jahre 1375 beschrieben sind und das wegen seiner Grenznähe geschleift wurde.
Viel Wissenswertes kann man über den ehemaligen kleinen Ort, der in seiner Geschichte bereits mehrmals wüst (z. B. 1416, 1624 und 1745) gewesen war und einen recht häufigen Besitzerwechsel erlebt hatte, erfahren. Sowohl für die Gutsbesitzer als auch die Pächter brachte der Boden keine großen Erträge ein.
Seit 1993 wird von der Umweltinitiative Teltower Platte der Rest des alten Osdorfer Gutsparks als ein Naturdenkmal gepflegt und das Brachland auf dem ehemaligen Grenzstreifen mit Laubbäumen wie z. B. Traubeneichen und Winterlinden bepflanzt. Der Beschluss zur Wiederaufforstung ging im Jahre 1992 von der Gemeinde Osdorf aus. Beteiligt an der großen Pflanzaktion im Laufe des Jahres 1993 waren 50 Paten mit 70000 Baumpflanzungen. Für deren Realisierung war die Kooperation mit Behörden und Landwirten notwendig. Ein wichtiger Partner der Teltower Platte hinsichtlich der Pflege des ehemaligen Gutswaldes ist die Oberförsterei Ludwigsfelde, von der auch ABM-Kräfte bei der Aufforstung mithalfen. Bis 1998 hatte sie im Osdorfer Wäldchen neue Wege angelegt, auf denen der Wanderer die Synthese von Natur und Geschichte anhand der alten Überbleibsel des Dorfes erfahren soll. Das heutige Gelände mit seinen historischen Überresten untersteht wieder den Berliner Stadtgütern.
Wenn man vom Gedenkstein aus den früheren Hinterweg (die heutige Osdorfer Straße 1) entlanggeht, kommt man zu einer großen Scheune. Es handelt sich hierbei um die alte Gutsscheune, die als einziges Gebäude stehen blieb, als Osdorf im Jahre 1970 nach der Umsiedlung der Bewohner ins benachbarte Heinersdorf von sowjetischen Soldaten aus Wünsdorf abgerissen wurde. Zu DDR-Zeiten nutzte sie Heinersdorf als Speicher für Stroh, Heu und Getreide. Nach der Wende zogen dort eine Fliesen- und später eine Wohnwagenfirma ein. Seit Mai 2002 sind in diesem Gebäude zwei Pächterfamilien namens Ebel und Windmüller aus Berlin ansässig und richteten sich Wohn- und Arbeitsräume ein. Die alten Gutswiesen nutzen sie vorrangig zur Viehhaltung. Wegen der Nähe zur Stadt zieht der Hof von 34 ha vorrangig Berliner an. Als landwirtschaftlicher Betrieb präsentierte sich das Gut Osdorf am 11. und 12. Juni 2005 anlässlich der 11. Brandenburger Landpartie der Öffentlichkeit. Seit Dezember 2007 gibt es in der Scheune einen Hofladen, in dem neben Gemüse und Geschenkartikeln Fleisch und Wurst aus eigenem Viehbestand verkauft werden. Die Schweine, Rinder, Ziegen und Schafe ziehen die Gutspächter unter biologischen Gesichtspunkten auf Freiland auf. Darüber hinaus gibt es ein Hofcafé, das mit historischen Ansichten des untergegangenen Osdorf und alten Möbeln zugleich eine Heimatstube ist.
Zwischen diesem Gebäude und dem oben erwähnten Osdorfer Gedenkstein sieht man eine zugewachsene Mulde, die einst ein Massengrab war, in dem sechs Volkssturmsoldaten aus Lankwitz und Lichterfelde darin lagen, die beim Volkssturm am 23. April 1945 hinter dem Osdorfer Gutswald ihr Leben ließen. Diese wurden aber am 5. Juni desselben Jahres auf den Friedhof in der Lange Straße in Berlin-Lankwitz umgebettet. Heute befindet sich dort ein Kriegsgräberfeld mit einem Gedenkstein.
Östlich der Gutsscheune befand sich an der gleichen Straße eine in den Jahren 1886/87 errichtete Leichenhalle. Westlich außerhalb des Dorfes existierte an der heutigen Grenze zu Lichterfelde-Süd und in der Nähe des Teltower Ortsteiles Sigridshorst ein Friedhof für die Einwohner Osdorfs. Die erste Beisetzung geschah 1896, die letzte 1933. Kurz nach Kriegsende wurden dort Volkssturmsoldaten begraben. Infolge des Mauerbaus im Jahre 1961 und der Flurbereinigung in den kommenden Jahren wurde der Friedhof abgeräumt. Als Ruhestätte blieb den Osdorfern der Kirchhof von Heinersdorf.
Wenn man auf der Kopfsteinpflasterstraße immer weiter ostwärts geht, verlässt man den alten Gutswald und steht auf der Turmfalkenwiese, die einst ein Rieselfeld war und auf der heute Rinder der Gutspächter weiden. Von 1875 bis 1878 waren die Osdorfer Rieselanlagen fertig gestellt, und die Stadt Berlin, die 1874 Osdorf mit dem Gut Friederikenhof ankaufte, leitete die Abwässer auf diese Felder, um somit die Berliner Bevölkerung vor Seuchen und das Stadtgebiet vor Verunreinigungen zu schützen. Auf einer Felderhebung befand sich ein mit aus Berlin stammenden Druckrohren verbundenes Standrohr, das von einem Rieselwärter geöffnet und geschlossen wurde und die Reservoire oder Schieber mit Wasser versorgte. Von diesen Schiebern erstreckten sich von Wällen umgebene Kanäle. Füllten sich diese, so öffneten sich in den Wällen die Durchlassklappen, wodurch dann zwischen den Feldern die Gräben geflutet wurden. Dort stieg das Wasser schließlich an und überschwemmte die Anbauflächen, die somit gedüngt wurden. Überschüssiges Wasser floss in Bassins zurück. Auf diesen Feldern pflanzte man vorrangig verschiedene Kohl- und Rübensorten, Gurken, Zwiebeln und Salat an. Am Rande des Feldweges, der zur heutigen Bundesstraße 101 führt, standen einst Apfel-, Birnen- und andere Obstbäume. Nach der Schleifung des Dorfes und dem Ausbau des Sperrgebietes an der Grenze zu Berlin wurde das Areal eingeebnet.
Man geht am Osdorfer Wäldchen in Richtung Norden und betritt den alten Marienfelder Weg. Vor Eintritt in den ehemaligen Ort sieht man rechts von sich hinter Robinien und anderen Bäumen einen ausgetrockneten Teich, der den Namen Reichnergrund (benannt nach dem Heimatwanderer Wilhelm Reichner) trägt. Dort liegen neben Müll Trümmer (z. B. Reste der Sperrgrenze) aus verschiedenen Abschnitten der Geschichte Osdorfs. Die Umweltinitiative Teltower Platte beseitigt aus dieser Senke zwar den Unrat, möchte aber die historischen Relikte erhalten.
Wenn man am gesamten Alt- und Jungwald geradeaus entlanggeht, so gelangt man auf den alten Grenzweg auf Höhe der Schütte-Lanz-Straße in Lichterfelde. Eine Parallelstraße auf Berliner Seite ist der Jenbacher Weg. Über diese beiden Straßen erreichten Westberliner in den 50er Jahren im Osdorfer Wäldchen einen Schleichweg, der noch offen und unbewacht war, wogegen an der Osdorfer Straße Kontrollposten und Schlagbäume aufgestellt waren. Dieser Pfad führte bis zum Gutshof. Anschließend überquerte man den Marienfelder Weg und einen Querweg in Richtung der Rieselfelder. Über die Obstbaumwege erreichte man die heutige Bundesstraße 101. Auf diesem Weg konnten Westberliner Wanderer und Radfahrer im Kreis Zossen Ausflüge bis nach Trebbin machen. Dann brachen die Verbindungen ab, als der Nordrand des alten Osdorfer Gutsparks infolge des Mauerbaus von Grenzsoldaten, die in Heinersdorf stationiert waren, verstärkt mit Stacheldraht abgeriegelt wurde. Schon kurz vor dem Mauerbau am 13. August 1961 wurde der Ortsteil Osdorf schärfer bewacht, und man nahm dessen Bewohnern an der Sektorengrenze die eingekauften Westwaren ab.
Jedoch kann man auch den oben genannten Marienfelder Weg im Altwald weiterverfolgen. In diesem besteht die Straße aus Kopfsteinpflastern und schließt sich dem früheren Teltower Weg an. Links und rechts von ihr ist noch der alte, angrenzende Baumbestand aus Linden und Kastanien zu sehen. Dahinter befinden sich die bewachsenen Ruinenfelder vom einstigen Osdorf. Wenn man sich das Baumaterial betrachtet, so kann man auf Mauersteinen und Dachziegeln die Herkunftsorte entziffern. Es lassen sich zum Beispiel Steine der Mauer des ehemaligen Gutshofes, von dem der ehemalige Gartenweg geradezu nach Lichterfelde ging, aus der Ziegelei des Prinzen Karl Friedrich von Preußen (1828-1885) in Düppel, vom dem er seit 1865 Besitzer war, finden. Die Arbeiterhäuser bestanden aus Ziegelsteinen, die entweder aus Glindow, das eine 600jährige Tradition in der Ziegelherstellung (z. B. Borchmann seit 1865) aufweist, oder aus der 1860 gegründeten Rathenower Ziegelei stammten. Was die Dachziegel angeht, so kamen sie ebenfalls aus Glindow. Da die Rieselfeldwirtschaft sehr arbeitsintensiv war, mussten neben den Gutsinsassen Arbeiter von außerhalb herangezogen werden. Für diese wurden in Osdorf zwischen 1880 und 1900 zwei rote Häuser (so genannte Schnitterhäuser) mit jeweils acht Wohnungen gebaut. Man findet auch Überreste von Ställen und Schuppen nördlich der Gutsscheune. In einem Pferdestall, der schräg gegenüber dem heute noch erhaltenen Gebäude stand, waren ab 1942 ukrainische Zwangsarbeiter untergebracht, die in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Als eine sowjetische Garnison das Dorf, aus dem die ca. 150 Bewohner seit 1968 ausgesiedelt wurden, abriss, kam ein Teil des Baumaterials nach Wünsdorf und Heinersdorf.
Wenn man bis fast zum Ende der alten Dorfstraße geht, erblickt man hinter Kastanien einen moosbewachsenen Trümmerberg. Der Besucher steht hier vor den Überresten des Osdorfer Gutshauses, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Rittergutsbesitzer Wilhelm Leopold von Witten, von dem später noch die Rede sein wird, erbaut wurde. Zuerst existierte ein einstöckiger Bau, der in der Gründerzeit im Westen einen neoklassizistischen, zweigeschossigen Anbau mit einem Seiteneingang bekam und bis zum Abriss des Dorfes Ende der 60er Jahre des darauf folgenden Jahrhunderts existierte. Im Obergeschoss des Anbaues befand sich zwischen zwei Fenstern eine Nische mit einer Statue. Louis Beer, der Osdorf 1874 an Berlin verkaufte, wohnte als letzter Gutsherr in diesem Gebäude. Aus der Zeit seiner Gutsherrschaft ist kulturhistorisch zu erwähnen, dass der aus Potsdam stammende Pianist, Dirigent und Musikschriftsteller Carl Fuchs (1838-1922) dort für zweieinhalb Jahre als Hauslehrer weilte, nachdem er in Berlin von 1859 bis 1864 Musik, Philosophie und Theologie studiert hatte. Später unterrichtete er in Berlin Musik und gab musikästhetische Schriften heraus. Als Osdorf Stadt- und Rieselgut war, diente das Gutshaus als Amtssitz der Administratoren, die zugleich Bürgermeister und Standesbeamten waren und von denen einige darin ihre Wohnung bezogen. Auf der Rückseite war eine Terrasse angebaut, über die man in den Gutspark gelangen konnte. Vor dieser Kulisse feierten die Osdorfer Bewohner ihr Erntedankfest, und Brautpaare ließen sich fotografieren. Nachdem im Jahre 1953 die Gemeindeverwaltung nach Heinersdorf gezogen war, bewohnten das Gebäude, das allmählich verfiel, vier Familien, die sich darin Wohnungen einrichteten. Ferner amtierten die für den Ortsteil Osdorf zuständigen Wirtschaftsleiter, die den Pflanzenanbau und die Viehzucht überwachten. Beim Abriss wurde von sowjetischen Soldaten wahrscheinlich ein Teil der Trümmer nach Wünsdorf gebracht.
Nachdem man auf einem Wegenetz den früheren Gutspark mit seinem alten Baumbestand durchquert hat, gelangt man nun zum nördlichen Rand des Osdorfer Wäldchens und trifft auf ein mit Sand aufgeschüttetes Rondell, in deren Mitte einst ein fränkischer Kalkstein stand, der aus der Zeit gegen Ende des Ersten Weltkrieges stammte und an den im Jahre 1918 in Frankreich gefallenen Lichterfelder Gymnasiasten und Offizier Gustav Krech erinnerte.2 Wegen Vandalismus hat er seinen neuen Standort seit dem 13. November 2006 vor dem Heimatmuseum Steglitz.
Nun begibt man sich auf neu angelegten Wegen nach Südwesten und kommt wieder in die Nähe der Trümmer des Gutshauses. Westlich von ihnen erblickt man gemauerte Überreste eines Kellers. Dies ist ein ehemaliger Luftschutzbunker, der während des Zweiten Weltkrieges für die Osdorfer Bewohner entstand. Was das Osdorfer Wäldchen betrifft, so ist zu erwähnen, dass bei Luftangriffen auch Menschen aus Lichterfelde und Lankwitz Schutz in den Mulden des Gutswaldes suchten. Wenn dieser nicht gegeben war, flohen sie in den Bunker in der Schütte-Lanz-Straße in Lichterfelde. Im Ortsteil Osdorf waren die Bombenschäden im Gegensatz zum benachbarten Heinersdorf geringfügig. Einst war dieser Keller von Robinien bewachsen, die man mittlerweile abgesägt hatte. Im Herbst 2003 baute die Umweltinitiative Teltower Platte ihn zu einem Quartier für Fledermäuse um, weil sie ihn für frostfrei hielt und in ihm die angemessene Lufttemperatur vorfand. Davor lagerten Leute darin ihren Müll ab oder machten ein Lagerfeuer. Es wurden Zugänge verschlossen und Einflugschlitze und Schlafspalten für den Winterschlaf der Fledermäuse gebaut. Der alte Kellereingang ist mit einer dicken Stahltür verschlossen. Im Winter 2004 fanden die ersten zwei Fledermäuse im ehemaligen Bunker Domizil. Sie stammten aus einem Abrisshaus in Dahlewitz. Am 27. Dezember 2005 fand man in ihm drei Fledermäuse vor, darunter ein braunes Langohr.
Südlich vom Fledermauskeller befindet sich ein mit Erde aufgefülltes und zugewachsenes Sandsteingeviert, das den Überrest eines Grabes bildet, das einst von einer gusseisernen Platte bedeckt war. Auf dieser konnte man lesen:
Hier ruhet in Frieden der Ritterschafts-Rath Leopold von Witten, Ritter des St. Johanniter-Ordens, Erb- und Gerichtsherr auf Osdorf, geboren den 20. Juni 1781, gestorben den 12. November 1831.
Über den Verbleib der Grabplatte ist nichts bekannt. Die Rote Armee ließ die Ruhestätte unversehrt, nachdem diese im April 1945 in die Gemeinde Osdorf einmarschiert war. Gegen Ende der 50er Jahre war sie noch vorhanden. Wilhelm Reichner (gest. 1936) spricht in seinen Wanderungen durch den Kreis Teltow von einem zweiten Grab, das links daneben lag. Es sollte eine kleine, ummauerte Gruft ohne Deckplatte gewesen sein. Aber man wusste damals nicht mehr, wer dort ruhte. Jedenfalls lassen sich heute davon keine Spuren mehr finden.
Wilhelm Leopold von Witten war Teltower Kreisdeputierter und Rat der Mittelmärkischen Ritterschaft und besaß einen Gutsanteil von 14 Hufen in Marienfelde. Im Jahre 1802 kaufte er Osdorf von Dorothea Elisabeth von der Gröben. Ein Jahr später verkaufte er seine Marienfelder Anteile. Zur Zeit der Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft war er im Jahre 1813 Mitglied des Generalstabs unter der Leitung des Landrates Wilhelm Joachim Friedrich von Hake-Genshagen und organisierte mit ihm die Landwehr und den Landsturm im Kreis Teltow. Im Jahre 1817 übernahm Witten einen großen Teil der Amtsgeschäfte des Landrats, der sie aus Altersgründen nicht mehr ausführen konnte. Er starb in Osdorf am 12. November 1831 an Typhus, der damals im Kreis Teltow weit grassierte, und wurde vier Tage später beerdigt.
Mitte der 90er Jahre spielte die Umweltinitiative Teltower Platte mit dem Gedanken, die Überreste des Grabes von Witten als Bestandteil eines Denkmals für das abgerissene Osdorf zu verwenden. Mit Hilfe der Berliner Stadtgüter sollte die Grabeinfassung aus Sandstein in den ehemaligen Grenzstreifen umgesetzt, mit Erde aufgefüllt und mit Efeu bepflanzt werden. Auf dieser Fläche sollte ein Findling stehen. Das Denkmal sollte dort stehen, wo einst der Friedhof von Osdorf war. Jedoch gestattete dieses Vorhaben die Denkmalschutzbehörde in Luckenwalde nicht.
Um das Osdorfer Wäldchen für Naturfreunde attraktiver zu machen, fasste im Jahre 2008 die Teltower Platte ins Auge, dort einen Naturlehrpfad einzurichten, auf dem auf Bäume wie Traubenkirsche, Stechpalme und Wildbirne hingewiesen wird. Dessen Realisierung bleibt noch abzuwarten. Ein weiteres Vorhaben der Umweltinitiative ist die Aufstellung von Mauersegmenten auf dem Parkplatz vor dem Osdorfer Jungwald anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls.

















Die Erweiterung

Haltepunkt Osdorfer Str./ Mauerstein der UI
Erweiterungs-Strecke Gerhard Niebergall – Der alte Teltow-Osdorfer-Weg

Reichsbahnlager Güteraußenring
Kriegsgefangenenlager Lichterfelde-Süd
(Textentwurf für Tafeln eines Stalag-Denkmals, gefördert durch das Kulturamt SZ)
(Gerhard Niebergall August 2011)

Nach den Planungen der Reichsbahndirektion im Rahmen der Neugestaltung Berlins durch den Generalbauinspektor (GBI) sollte der noch zu errichtende Bahnhof Lichterfelde Süd zu einem Bahnknoten der Fernbahn (Anhalter Strecke) und der S-Bahn (Lichterfelde Süd – Trebbin) mit dem Güteraußenring um Berlin und mit dem 4. Auto-Ring werden. An der südlichen Einfahrt würden das Lokwerk, die Lok-Versuchsämter und die (Reichs-)Zentralschmiede liegen. Die Realisierung dieser Bauaufgabe der Reichsbahndirektion war nur mit einer großen Zahl von Arbeitskräften durchführbar. Schon vor Beginn des 2. Weltkrieges wurden die fehlenden Arbeitskräfte fast ausschließlich durch ausländische Arbeiter gestellt. Die dem bautechnischen Reichsbahnneubauamt Berlin-Lichterfelde 2 übertragenen Arbeiten begannen im Herbst 1938. Als Wohn- und Unterkunftsräume für das maschinentechnische und bautechnische Neubauamt waren im Oktober 1939 in „unmittelbarer Nähe des Baugeländes“ 12 Baracken für insgesamt 468 Männer fertiggestellt.
Dazu kamen noch eine Büro- und Krankenbaracke, eine Wirtschaftsbaracke und ein Lagerschuppen für die Werkzeugmaschinen.
Für die Unterbringung der sudetendeutschen Arbeiter errichtete die Reichsbahnbaudirektion Anfang 1939 das Lager Lichterfelde Süd an der Osdorfer Straße nördlich des 4. Auto-Ringes. Nach dem zweiten Bauabschnitt hatte das Lager ein Aufnahmevermögen von 1264 Mann.
Vier Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Arbeiten am Lokwerk und der Reichszentralschmiede vorläufig eingestellt. In einer Vereinbarung mit der Wehrmacht verpachtete die Reichsbahnbaudirektion Berlin am 1. Dezember 1939 das Reichsbahnlager Lichterfelde Süd an die Wehrkreisverwaltung III als Kriegsgefangenenlager. Das Lager wurde zur Aufnahme von maximal 2500 polnischen Kriegsgefangenen und einer Wachmannschaft von 300 Mann vorbereitet und umgebaut. Ein Krankenrevier und ein Wirtschaftsgebäude vervollständigten das Lager. Die Reichsbahn-Arbeiter wurden auf andere reichsbahneigene Lager aufgeteilt.
Auf Befehl der Wehrmacht wurde das Lager am 14. August 1940 als Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager III D (Stalag III D) eingerichtet, die Leitung hatte ein Kommandant inne. Er war für die Bewachung und im Einvernehmen mit den Arbeitseinsatzbehörden für den Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen zuständig. Das Stalag III D war kein Hauptlager. Alle Kriegsgefangenen wurden auf verschiedene Zweiglager und Arbeitskommandos aufgeteilt. Bei der Ankunft oder dem Austausch von Gefangenen hatten diese eine Entlausungsanstalt zu passieren. 1940 wurden im Lager zeitweise vorwiegend französische Kriegsgefangene untergebracht.
Im Dezember 1941 erhielt der GBI die Zustimmung Hitlers, 30.000 sowjetische Kriegsgefangene im Berliner Gebiet völkerrechtswidrig auch in der Rüstungsindustrie einzusetzen. Die Reichsbahnbaudirektion Berlin errichtete als Erweiterung des Lagers Lichterfelde Süd südlich des Stalag vier weitere Baracken. Im Januar 1942 bewilligte die Baupolizei Steglitz zusätzlich die Errichtung eines Kriegsgefangenen-Nebenlagers Lichterfelde Süd nördlich des Landesweg an der Ecke Osdorfer Straße.
Ein weiteres von der Reichsbahn genutztes Lager befand sich an der Verlängerten Feldstraße, vermutlich wurde es bei einem Fliegerangriff im August 1943 zerstört. Es wurde als Lager für 916 ausländische Arbeiter weitergeführt.

Die Routenführung

Wanderung auf dem Grenzstreifen zwischen Berlin und Teltow
Anreise: S 25 Richtung Teltow Stadt – Haltestelle Osdorfer Straße
Abreise: S 25 Richtung Henningsdorf ab Teltow Stadt
Treffpunkt: S-Bhf. Osdorfer Straße Ausgang Richtung Blanckertzweg Wendeschleife Hildburghauser Straße
Streckenwanderung: 10 km / 4 h

Leitung: Hannelore von Büren-Rieder Regionalmarketing der Teltow e. V.
Wir wandern vom S-Bahnhof Osdorfer Straße durch die Baptist-Gradl-Grünanlage über den Rodelberg zu den Resten des ehemaligen Osdorf (Gemeinde Großbeeren). Ab jetzt geht’s weiter auf dem heutigen Mauerweg, der für uns noch viele Zeugnisse seiner Jahrhunderte alten Geschichte bereithält (der alte Friedhof Osdorf, Blick über die ehemaligen Rieselfelder, Grenzsteine, vier Mauertoten-Gedenkstelen, von Schulklassen bemalte ehemalige Grenzsteine, der ehemalige Teltower See, die Bäkeniederung). Zuletzt laden uns die liebevoll restaurierte Altstadt Teltow zum Verweilen ein. Stadtkirche mit Turmbesteigung sowie das Heimatmuseum sind geöffnet.


Von Zeit zu Zeit bietet der Historiker Jens Leder Führungen an. Seine lesenswerte Ausarbeitung zur Geschichte des Rieseldorfes Osdorf mit alten Fotos und Berichten hat er dann parat.
"Ostorff, daz do wuste lyt"
Die Geschichte von Osdorf